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Koordinationstraining
Alles im Lot?

Juliane Fröbisch für Personalfitness

Koordination – sie ist verantwortlich, dass wir schnell Treppen steigen können. Sie schützt vor Verletzungen. Sie sorgt für das Zusammenspiel der Muskelgruppen. Und doch wird sie viel zu wenig trainiert. Alles zum Thema Koordination und wie man sie verbessert.

Was ist eigentlich Koordination? Koordination beziehungsweise das sensomotorische System ist die Gesamtheit eines Sinnessystems, das die bewusste und unbewusste Verarbeitung von Informationen aus dem Organismus über die Gelenkstellung, Bewegung und Kraft durch das Zentralnervensystem (ZNS) darstellt. Mit anderen Worten: Koordination ist eine motorische Leistung des Zentralnervensystems und des Rückenmarks. Sie ist dafür verantwortlich, dass wir schnell Treppen laufen können. Sie sorgt dafür, dass wir überhaupt Kraft entfalten können, denn sie ist die Grundlage für das inter- und intramuskuläre Zusammenspiel von Muskelgruppen. Außerdem hilft sie, vor Verletzungen zu schützen.

Bei der Erstellung eines Trainingsplanes wird der Koordination wenig Aufmerksamkeit zuteil. Zu Unrecht. Im Alltag werden die tiefen Strukturen der Muskulatur, die willkürlich nicht aktiviert werden können, zu wenig angesprochen. Die Folge der Vernachlässigung: Muskelkraftdefizite und eine veränderte Steuerung der Wirbelsäulen stabilisierenden Muskulatur. Die daraus entstehende schlechte Körperhaltung resultiert nicht nur in mangelnder Muskelkraft, sondern vor allem in eingeschränkter Koordinationsfähigkeit. Zudem spielt sie eine wichtige Rolle bei Rückenschmerzen.

Die häufigste Ursache von Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule sowie einer verspannten Schulter- Nacken-Gegend liegt in einer schwachen Skelettmuskulatur. Sie setzt direkt an den Wirbelkörpern an und ist für Stabilität und Festigkeit verantwortlich. Fehlt dies, sind Haltungsschäden die Folgen.

Meist sind davon Menschen betroffen, die viel sitzen. Durch Bewegungsmangel vernachlässigen und belasten sie ihr sensomotrisches System enorm und riskieren bleibende Schäden im Alter - ein dramatischer Trend, der sich auch und vor allem bei Kindern abzeichnet, die in einer an Bewegungsreizen armen Umgebung leben. Ihnen bieten sich kaum Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten auszubilden und zu fordern.

Bleiben Extremitäten lange ungenutzt, beispielsweise durch Ruhigstellung nach einer Verletzung, schwindet die Tiefensensibilität (Kinästhetik). Bewegungen werden ungenauer und eckiger. In der Peripherie kommt es zu einer veränderten Informationsaufnahme mit herabgesetzter Afferenz (Mitteilung aus den Sinnesorganen) sowie ungenügender Reizbearbeitung im Zentralnervensystem. Dies alles spiegelt sich in einer veränderten Eigenwahrnehmung wieder.

Durch Koordinationstraining können die Reize der Muskelzelle besser weitergeleitet und verarbeitet werden. Darauf sollte zu Beginn einer Trainingseinheit eingegangen werden. Um möglichst schnell differenzierte Impulse zum Zentralnervensystem schicken zu können, muss die Propriozeption (Tiefenwahrnehmung) angeregt werden. Balancetraining verbessert die Wahrnehmung über den Zustand des Muskels - die Efferenz wird differenzierter. Bewegung und Haltung werden ökonomischer und fließender.

Um Koordinations- und Geschicklichkeitsaufgaben in das bestehende Training einzuflechten, eignet sich die Arbeit an freien Geräten. Zusätzlich sollten instabile Unterlagen (z.B. Aerostep, Balance Pad oder eine gefaltete Matte) hinzugezogen werden und/oder dabei ständig visuelle Kontrolle ausgeübt werden.

Foto: Juliane Fröbisch und iStockphoto

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Juliane Fröbisch

Juliane ist Sportwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Trainingsmedizin und Sportpsychologie. Sie studierte in Göttingen u. Italien und unterrichtet seit 2000 im In- und Ausland. Neben zahlreichen Fortbildungen sammelte sie Erfahrungen in verschiedenen Sporthotels und ist Power Plate Trainerin. Spezialisierend betrachtet sie den ganzheitlichen Zusammenhang des Körpers unter komplexen inneren und äußeren Einflußfaktoren und führt so zu langfristigen Erfolgen. [weiter]


Koordinationstraining: Alles im Lot?

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